Schon der vater war eine Tänzerin

 
Wenn morgen, am Rosenmontag, das Männerballett um 20 Uhr im Södinger Feuerwehrsaal
auftritt, werden zwei Tänzer nicht dabeisein: Ferdinand Lackner, dessen temperamentvolle
Tina Turner-Parodie für Furore sorgte und der auf flotten Sohlen im Einsatz war, und Wolfgang
Lackner, der im schon legendären Putzfrauen-Strip bis auf einen Stringtanga fast alle Hüllen
fallen ließ.
 
Ferdinand Lackner, dem nicht nur Starrollen lagen, sondern der auch siebenmal in
Ballettröckchen schlüpfte und somit zur Tänzerin mutierte, kann aus gesundheitlichen Gründen
nicht mehr mitmachen. Und Sohn Wolfgang läßt die Strapse im Köfferchen, weil er die
Organisation der Faschingsveranstaltung übernommen hat. Er meint, daß für die
Hauskrankenpflege, die im Rahmen der Nachbarschaftshilfe durchgeführt wird, "einige
Tausender zusammenkommen, der Erlös aus der Sektbar nicht mitgerechnet". Denn die
Männer schwingen die Beine nicht (nur) zum eigenen Gaudium, sondern um anderen zu helfen.

 

Für Wolfgang Lackner, derzeit "Mädchen für alles", ist die Zeit des Tanzes - "Mindestens
fünfmal stand ich auf der Bühne" - somit vorbei. Es bleiben ihm aber die Erinnerungen an zarte
Dessous, Strumpfhosen, Minis und hochhackige Pumps. "Mir ist unverständlich, daß Frauen
sich nicht täglich die Knöchel brechen, wenn sie mit Stöckelschuhen unterwegs sind", rätselt
er. "Und in einem Mini fühle ich mich nackt." Deshalb "bewundert" er Mädchen, die sich mit
nahezu gürtelschmalen Röcken auf die Straße wagen. Auch an Stringtangas findet er seit dem
Strip nichts Bequemes: "Wie man damit einen ganzen Tag herumlaufen kann, ist mir
schleierhaft."
 
Spaß. Hinter der Bühne, beim An-, Aus- und Umkleiden, haben die Männer ihre
Plage mit den Frauengewändern - und ihren Spaß. Das Gelächter ist dabei, so vermutet
Lackner, direkt proportional dem späteren Vergnügen des Publikums im Saal.
 
Die "Gaudi" fängt schon bei den ungewohnten Nylons an: "Strümpfe anzuziehen ist nicht so
schwierig, weil man einen nach dem anderen überstreifen kann. Eine Strumpfhose auf die
Beine zu kriegen, ist allerdings teuflisch. Weil sie so leicht reißt, haben wir für jeden Tänzer
eine zweite Packung in Reserve", erklärt Lackner einen Teil des Sicherheitsnetzes, das für die
Garderobe geknüpft wird.
 
Auch das Schließen - aber nicht das Öffnen - eines Büstenhalters haben die Mannen, die sich
als Mechaniker, Maurer, Angestellte oder Filialleiter ihr Geld verdienen, schon intus: "Es
bereitet keine Probleme mehr." Ganz zu Beginn der Ballettlaufbahn war das jedoch etwas
anders.
 
Mittlerweile haben die Männer aber schon soviel Routine im Anziehen von Blusen und Röcken,
sodaß sie keine Hilfe mehr benötigen. "Nur beim Schminken hapert's noch gewaltig. Nicht
einmal mit dem Lippenstift kommen sie zurecht", weiß Lackner aus eigener Erfahrung.
 
Deshalb springen alle zwei Jahre wieder, wenn die Södinger zu Södingerinnen werden, Frauen
ein und helfen beim Ziehen von Lidstrichen, dem Tuschen von Wimpern und dem Auflegen von
Rouge sowie dem Überstülpen von Perücken. "Das ist keine einfache Arbeit, deshalb müssen
wir immer wieder neue Helferinnen finden", so Lackner.
 
Außerdem hat er die Erfahrung gemacht, "daß Frauen zwar sehr gern Männer auf der Bühne
tanzen sehen, ihre eigenen sollen es aber nicht sein".
 
"Ganz ohne Weiber" geht die Show also nicht. Das gilt auch für das Geschehen auf der Bühne:
Wilma Gauster, eineLehrerin, die zum Ensemble gehört, studiert mit den Männern die
Tanzschritte ein und tritt auch mit ihnen auf. Bei der Veranstaltung, die vor zwei Jahren
stattgefunden hat, legte das Ballett nach Gausters intensivem Training beispielsweise einen
Bauchtanz hin, wie man ihn im Fernen und Nahen Osten nicht so leicht finden wird.